SÜCHTIG NACH: AVOCADO-TOMATEN-SALAT






Das Klavierspielen meiner Mutter, wenn ihre vier Kinder endlich im Bett waren, wochenlang das gleiche Stück, dann kam ein neues, das sie für die nächsten Wochen spielte. Die Süßigkeitenteller, die wir jeden Samstagabend bekamen, immer auf den kleinen, weißen Tellerchen und immer exakt das Gleiche für jeden. Der Dänemark-Urlaub, der nicht beim Losfahren begann, sondern wenn pünktlich zu den ersten Dünen bei Nymindegab Beethovens Chorfantasie im Kassettendeck lief. Manchmal habe ich über diese Rituale mit den Augen gerollt. Wie sehr ich sie mochte, merke ich erst, wenn ich sehe, was für ein Ritualmensch ich heute bin. Das Radiohören am Sonntagnachmittag. Die immergleichen Weihnachtsfilme. Unsere Sonntags-Schnitzel. Und das gemeinsame Schlickertütenholen, wenn Fanny und ich angeschlagen sind. Dieser Avocado-Tomaten-Salat ist auch so ein Ritual. Ich habe ihn vor Ewigkeiten mal so ähnlich in einem Kochbuch von Gwyneth Paltrow gefunden (und hier auch schon einmal kurz aufgeschrieben, keine Ahnung, warum dieses Rezept verloren gegangen ist, ich muss es versehentlich gelöscht haben). Wir machen ihn immer, wenn uns der Sinn nach Sommer steht. Er macht so glücklich wie eine große Schale Guacamole (es sind ja auch fast die gleichen Zutaten). Und ist fix gemacht, wenn man morgens daran denkt, ein Blech halbierte Cherrytomaten in den Ofen zu schieben, um einen schönen Vorrat an getrockneten Tomaten zu haben (oder sich schon einen angelegt hat). Wenn ich den Koriander weglasse, liebt Fanny ihn auch. Wir essen ihn gerne mit Chicken Milanese (noch ein Gwyneth-Paltrow-Rezept). Mit einer dicken Scheibe Sauerteigbrot schmeckt er aber auch sehr gut.

TOMATEN-AVOCADO-SALAT 
(nach einem abgewandelten Rezept von Gwyneth Paltrow, 
für vier Personen als Beilage)

2 Packungen Cherrytomaten (für die getrockneten Tomaten auf Vorrat)
10 Cherrytomaten (man kann auch mehr nehmen)
3 Avocados
1 kleine rote Zwiebel
1 Limette
Olivenöl
etwas Salz
ein halber Bund Koriander

1) Die getrockneten Tomaten bereite ich immer schon morgens und dann auf Vorrat vor: Den Ofen auf 150°C Ober/ Unterhitze vorheizen. Die Tomaten quer halbieren, auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, mit etwas Olivenöl beträufeln und salzen und für ungefähr 60-90 Minuten (eventuell auch länger) trocknen lassen, bis sie weich und süß sind. Für den Salat braucht man nur etwa die Hälfte der getrockneten Tomaten. Die restlichen Tomaten in einen luftdichten Behälter geben, mit Olivenöl bedecken und im Kühlschrank aufbewahren – für den nächsten Salat oder zwischendurch. 

2) Die Avocados in kleine Stücke schneiden, die frischen Cherrytomaten halbieren, die rote Zwiebel in ganz dünne Ringe schneiden und zusammen mit den abgekühlten, getrockneten Tomaten in einer Schüssel vermischen.

3) Den Koriander kleinschneiden und unterheben.

4) Mit dem Limettensaft (je nach Geschmack eine halbe bis eine Limette nehmen), Olivenöl (ich nehme 2-3 EL) und Salz abschmecken.

Rezept-Idee aus: Gwyneth Paltrow: Meine Rezepte für Familie und Freunde, Edel, 272 Seiten, 14,95 Euro.


FÜNF, DIE MICH DURCHS LEBEN TRUGEN



Die blauen Docs
Ich kann mich an vieles aus meiner Kindheit erinnern, noch an die kleinsten Anekdoten und viele Gegenstände, aber merkwürdigerweise nicht an einziges Paar Schuhe. Wahrscheinlich, weil die blauen Docs das erste Paar waren, das ich mir ganz alleine kaufte, ohne dabei irgendwelche Konzessionen zu machen. Es war wichtig, dass sie blau waren, nicht schwarz. Es war wichtig, dass meine Eltern sie grauenvoll fanden. Und wichtig, dass mein Freund sie in Dunkelrot trug. Wichtiger als alles andere war allerdings, dass sie ausdrückten, wie ich mich fühlte: anders, sehnsüchtig, oft verloren. Mit diesen Stiefeln konnte ich mir Mut anziehen. Auch wenn außer mir niemand all das in ihnen sehen konnte. 

Die cremeweißen Chucks
Ich habe mich so danach gesehnt, das Abi hinter mir zu haben, und als ich es dann endlich hatte, wusste ich plötzlich nicht mehr, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Ich hatte beschlossen, doch keine Geigerin zu werden, aber keine Ahnung, was ich stattdessen machen sollte. Also zog ich mit meinem kleinen Bruder in eine WG und arbeitete für ein Jahr in einem Klamottenladen. So viele Möglichkeiten, so viele Vielleichts. Erstmal Praktikum machen? Oder gleich studieren? Aber was? Hier bleiben? Ganz weit weg gehen? Abstand suchen? Nähe finden? Immerhin wusste ich: Musik hilft. Sehr viel Jamiroquai. Und Tagebuchschreiben. Und cremeweiße Chucks. 

Die schwarzen Ballerinas
Ich hatte schon einen Volontariatsvertrag und meine vierte eigene Wohnung, dieses Mal in Hamburg, ich hatte sogar einen Bausparvertrag. So richtig erwachsen fühlte ich mich aber erst in diesen Schuhen. Ballerinas waren für mich der Inbegriff französischer Eleganz und Lässigkeit, und ich wollte unbedingt lässiger, eleganter und französischer sein – weniger sportlich, weniger Kumpel, mehr Frau. So recht zu mir passen wollten sie allerdings noch nicht zu mir. Ich ging komisch in ihnen, als hätten sie riesige Absätze. Aber glücklicherweise erlaubt Mode es einem ja, sich auch all die Frauen anzuziehen, die man (noch) nicht ist. Die Frau zu mögen, die ich bin, gelang mir erst viele Jahre später, aber die schwarzen Ballerinas halfen dabei, es mir bequem zu machen in mir.

Die roten Peeptoes
Bis heute machen mich Schuhe nur selten hysterisch, aber dieses eine Paar musste ich haben. In ihnen fühlte ich mich sexy und unangreifbar. Sie gaben mir das Gefühl, über den Dingen zu schweben (auch wenn ihre Absätze nicht sonderlich hoch waren). Außerdem fand ich sie rasend schön. Das blaustichige Dunkelrot und die Sohle mit den Blüten, die man beim Tragen zwar nicht sah, aber spürte. Ich trug sie nicht oft, immer nur zu besonderen Anlässen. Ich behandelte sie wie ein teures Schmuckstück, sie sollten nicht abnutzen, aber an diesem einen Abend zog ich sie an – dem Abend, als ich mit ihm verabredet war. Es gab gar keinen Anlass, sich aufzubrezeln. Wir waren in einer Kneipe verabredet, eine ganz normale Verabredung unter Freunden, aber irgendetwas flirrte, ich war schon Stunden vorher nervös. Wie nervös ich wohl erst gewesen wäre, hätte ich gewusst, dass wir uns in dieser Nacht zum ersten Mal küssten. 

Die weißen Turnschuhe
Heute habe ich zwei Arten von Schuhen in meinem Schrank: Laute und leise. Die lauten sind jetzt auch keine Schreihälse, aber kleine Ausrufezeichen; Schuhe, mit denen ich mich bereit mache, für den Sommer, für einen aufregenden Abend, für ein Fest, für einen schwierigen Tag. Meine goldenen Boots sind solche Schuhe. Oder meine schwarzen Sandalen aus Paris. Schickmacher, Ausgeher, Draufgänger. Mit den leisen laufe ich durch die anderen Tage, am liebsten in meinen weißen Turnschuhen. Sie sind weich, aber man hat einen festen Gang in ihnen und kann weit rennen, wenn es nötig ist. Sie sind schlicht, aber nicht langweilig. Und extrem tolerant, denn zu Jeans passen sie genauso wie zu dem einen Kleid, das ich gerade gerne trage. 

ZEHN KINDERLÄDEN IN BERLIN, DIE ICH SEHR MAG

In diesem hinreißenden, neuen Laden am Helmholtzplatz findet man eine feine Auswahl an Kindersachen für ganz Kleine und schon Größere: Kuscheltiere und Schnullerketten, Aufbewahrungskörbe und Kissen, Zelte und Wandsticker (die im Dunkeln leuchten), Moccassins und Pullover, aber auch Kinderbücher (das nächste Mal muss ich „Der Popo von Hippopo” mitnehmen oder „Niemals wilde Katzen kitzeln”, was für schöne Bücher!). Gerade auf meinem Wunschzettel: Die Story-Box, mit der man sich immer wieder neue Geschichten ausdenken kann. Und diese Kuschelkissen.
Raumerstr. 11, 10437 Berlin, Mo-Sa 11-19h, www.val-store.com/kinder

Bei Onkel Philipp geht es entschieden maximalistisch zu. Und am Geschmack von Kindern orientiert. Es glitzert. Es macht Spaß. Und man findet herrliches Quatschzeug. In diesem Spielzeugladen haben wir schon Glibbergruselmonsterkopfkugeln, eine Seifenblasenpistole und ein Blechpferdekarussell gekauft. Und jedes Mal bereut, dass wir uns nicht den ganzen Laden einpacken lassen konnten. Hier kann man nämlich auf jedem Quadratzentimeter Spielzeug entdecken, manches verrückt, manches ganz klassisch und alles sehr glückselig machend.
Choriner Str. 35, 10435 Berlin, Di, Mi, Fr 9.30-18.30h, Do 11-20h, Sa 11-16h, www.onkel-philipp.de

Genau genommen ist das natürlich kein Kinderladen, aber einer, in den wir immer wieder gerne gehen, weil man sich in diesem riesigen Materialgeschäft (nennt man das so?) am Moritzplatz so richtig schön mit Bastelsachen eindecken kann. Eigentlich komme ich immer nur her, um Klebeband oder Papier nachzukaufen. Oder weil ich ein neues Notizbuch suche. Dann kommt Fanny mit und wir stöbern herum und am Ende ist der Wagen immer zu voll, aber bereut habe ich unsere Modulor-Tüten noch nie.
Prinzenstr. 85, 10969 Berlin, Mo-Fr 9-20h, Sa 10-18h, www.modulor.de

4) Monkind x Gretas Schwester Studio Store
In die Sachen von Gretas Schwester habe ich mich schon lange verguckt (in die Tagebücher zum Beispiel oder die Rasseln). Also habe ich mich neulich mal auf den Weg nach Schöneberg gemacht, um mir diesen Laden anzusehen und ich bin immer noch ganz hin und weg. Postkarten, Prints, hübsche Magazine und Bücher, Tassen und Kuscheltiere, dazu die tolle Kinderkleidung von Monkind aus Berlin. 
Crellestr. 3-4, 10827 Berlin, Mo-Fr 10-18h, Sa 11-16h, www.gretasschwester.de, www.monkind.com

Dieser Laden war ein Tipp von der Puppenmacherin Maria Ribbeck – und was für einer. Im gar nicht so kleinen Zirkusladen gibt es Clownsnasen und Jonglierbälle, winzige Zauberdosen, die Münzen verschwinden lassen, und Knete, die ihre Farbe wechselt. Wirklich zauberhaft.
Schillerstr. 70, 10627 Berlin, Mo-sa 11-19h, www.zirkusladen.de

Eigentlich wollte ich gerade schreiben, dass diese Kinderbuchhandlung der perfekte Ort für Regentage ist, aber das stimmt gar nicht – auch an strahlenden Sommertagen kann man sich hier herrlich festschmökern und tolle Entdeckungen machen. Englische, spanische, französische, italienische, polnische, russische und portugiesische Kinderbücher findet man hier übrigens auch.
Choriner Str. 49, 10435 Berlin, Mo-Fr 10-18h, Di-Fr 10-19h, Sa 10-16h, www.mundoazul.de

Hier gibt es Sahne-Stückchen für den Kleiderschrank, aber auch hübsche Deko, Spielzeug, Kuscheltiere und andere Schöndinge (wie zum Beispiel dieses Poster). Der richtige Ort, wenn man nach etwas ganz Besonderem oder einem Geschenk für schwangere Freundinnen sucht.
Schröderstr. 14, 10115 Berlin, Mo-Fr 11-19h, Sa 11-18h, www.tinystore.de

8) Dnik
Was habe ich für Fanny hier schon alles gefunden. Das Kletterkrokodil von BObles zum Beispiel, ich glaube, es war ein Geschenk zum zweiten Geburtstag, aber es ist immer noch in Dauerbenutzung. Oder dieses wunderschöne Vogelbuch zum Ausmalen. Und hübsche Postkarten für kleine Geburtstagskinder. Außergewöhnlich toll ist in diesem Kinder-Conceptstore übrigens auch die Beratung. 
Wörther Str. 14, 10405 Berlin, Mo-Fr 10-19h, Sa 10-18h, www.dnik-berlin.de

Wenn man Ratzekatz betritt, wäre man gerne wieder fünf. Denn in diesem Wunderladen stapelt sich das Spielzeug auf 150 Quadratmetern bis an die Decke. Keine Ahnung, wie die das machen, aber was auch immer man gerade sucht: Hier findet man es bestimmt. Dazu viele kleine Dinge, nach denen man überhaupt nicht gesucht hat.
Raumerstr. 7, 10437 Berlin, Mo-Sa 10-19h, www.ratzekatz.de

Dieser Laden ist sozusagen ein Bonus-Track, weil ich im „Berlin mit Kind”-Guide bloß davon gelesen habe und seitdem unbedingt mal vorbeischauen möchte. „Der Konzeptladen bietet selbstgemachte Stücke für Frauen, Männer und Kinder von über 30 internationalen Designern, die in Berlin leben und arbeiten”, steht da. Ich finde, das klingt ziemlich gut. 
Tellstr. 7, 12045 Berlin, www.unautrevoodoo.com

Falls ihr noch andere Empfehlungen habt – ich freue mich über Tipps (vor allem für gute Second Hand-Läden). Kommt gut ins Wochenende!

ERDBEER-KÄSEKUCHEN AUS DEM GLAS (UND EIN SCHÖNER SOMMERABEND)

Die Gardine vor der offenen Balkontür wehte vor sich hin, irgendwann fing es an zu regnen, aber es war immer noch so warm, dass ich auch bei offener Tür nicht anfing zu frieren. Ich hatte mir „Verstehen Sie die Béliers?” ausgeliehen und mochte den Anfang, konnte aber nicht aufhören, an dieses Dessert zu denken, das ich vor ein paar Tagen im Netz entdeckt hatte: ein sehr einfacher Erdbeer-Käsekuchen im Glas. Also stand ich auf und zerkrümelte ein paar Butterkekse und verrührte Frischkäse mit ein bisschen Zucker, einem Becher griechischem Joghurt und einem Spritzer Limettensaft, weil ich Limettensaft mag, und verrührte zwei Löffel Erdbeermarmelade mit den Erdbeeren, die wir auf dem Nachhauseweg von unserem Spaziergang gekauft hatten, und füllte alles in vier Gläser. Eines gab ich ihm ab, eines stellte ich für Fanny in den Kühlschrank, die beiden anderen nahm ich mit aufs Sofa und schaute weiter. Irgendwann legte er sich mit seinem Glas neben mich, diese so unfassbar tolle, junge Schauspielerin sang um ihr Leben und um einen Platz an der Gesangsakademie in Paris, und die Nachbarn von gegenüber bejohlten und beklatschten irgendeine gute Nachricht oder ein Geburtstagskind, aber es klang, als würden sie der Schauspielerin applaudieren. Oder diesem Sommerabend.

KÄSEKUCHEN IM GLAS (nach einem Rezept von der BBC)

Zutaten (für vier nicht allzu große Gläser)
85g Vollkorn-Kekse (ich habe Vollkorn-Butterkekse genommen)
200g Frischkäse
200g griechischer Joghurt
3-4 EL Zucker
ein paar Tropfen Vanille-Extrakt
(ich habe noch einen Spritzer Limetten-Saft dazugegeben, der steht aber nicht im Originalrezept)
2 EL Erdbeermarmelade
100g Erdbeeren, gewaschen und in Viertel geschnitten (ich habe mehr genommen)

1) Die Kekse in eine kleine Plastiktüte geben und mit der Hand in größere Krümel zerdrücken. Auf die vier Gläser verteilen.
2) In einer Schüssel den Frischkäse, das Joghurt, den Zucker und das Vanille-Extrakt mit einem Spritzer Limettensaft verrühren und ebenfalls auf die vier Gläser verteilen. 
3) Die Erdbeermarmelade mit einem Löffel gut verrühren, bis sie schön weich ist, dann vorsichtig die Erdbeeren unterrühren und über die vorbereiteten Gläser geben.

EIN PAAR DINGE, DIE MIR GERADE GUT TUN


1) Körperöle
Das Öl von Aesop war ein Geburtstagsgeschenk und kam gerade zur richtigen Zeit. Seit ein paar Wochen habe ich nämlich noch trockenere Haut als sonst, deshalb öle ich mich jeden Abend ein. Das „Geranium Leaf Hydrating Body Treatment” duftet nach Geranie, Mandarine und Bergamotte, ist so reichhaltig, dass man nur ein paar Tropfen braucht und beruhigt meine Haut sofort. Wenn ich morgens sehr müde bin, massiere ich mir auch gerne ein, zwei Tropfen auf die Handgelenke, nur für diesen herrlichen Duft. Weil ich sparsam mit dieser Kostbarkeit umgehen will, benutze ich auch das Körperöl von Avene, das mit Kokosöl, Avocadoöl und Calendulaöl extrageschmeidige Haut macht und gegen Schwangerschaftsstreifen helfen soll. Und das Schwangerschafts-Pflegeöl von Weleda, vor allem für den Bauch, der gerade wächst und wächst.

2) Ein Sommerduft
Als ich mir neulich einen neuen Lippenstift kaufen wollte, stand ich am Lancôme-Counter und begann, mit der so hinreißenden Verkäuferin zu schnacken. Als ich ihr von meiner doofen Woche erzählte, sprühte sie mir das „Energizing Aroma Tonic” auf, das sie schlicht „Anti-Misttag-Spray” nannte. Am Ende kaufte ich keinen Lippenstift, sondern dieses Bodyspray. Und obwohl ich meinem Parfüm eigentlich sehr treu bin, benutze ich seit diesem Tag immer nur das „Aroma Tonic”, das so hellgrün duftet, wie es aussieht – nach Limette, Kardamom und grünem Mate-Tee. Für mich gerade der perfekte Sommer-Duft (und gegen Misttage hilft er auch).

3) Meine beiden Lieblingsmasken
Gegen trockenen Stellen und ein paar Unreinheiten im Gesicht benutze ich gerade jede Woche meine beiden Lieblingsmasken: die „Klärende Maske” von Caudalie und die „Manuka Honey Mask” von Antipodes. Die klärende Maske hilft gut gegen Unreinheiten, ohne die Haut dabei zu sehr auszutrocknen. Außerdem mag ich den leicht kräuterigen Duft. Die Honig-Maske mindert Rötungen und gibt extraviel Feuchtigkeit. Herrlich. 

3) Die Meditations-App Headspace
Von „Headspace” habe ich auf irgendeinem Weblog gelesen und war sehr neugierig, obwohl ich mir nicht vorstellen konnte, dass Meditation etwas für mich sein könnte. Ich tue mich immer schwer damit, runterzukommen und meinen Kopf mal abzuschalten (hehe). Da das Einstiegsprogramm aber nichts kostet, habe ich mir die App einfach heruntergeladen. Nach ein paar Tagen mit dem Eingewöhnungsprogramm, das zehn Tage lang immer zehn Minuten dauert, bin ich ehrlich begeistert. Bevor ich morgens anfange zu arbeiten, meditiere ich zehn Minuten. Das klappt mal mehr und mal weniger, tut mir aber immer gut. Hinterher bin ich gelassener und konzentrierter. Also werde ich das Meditieren weiter üben – und als nächstes die Schwangerschafts-Meditationen dieser App ausprobieren. 

4) Lange Spaziergänge und das Programm von Tracy Anderson
Wenn ich ehrlich bin, würde ich am liebsten gerade nur auf dem Sofa herumfläzen, zwischendurch etwas essen, lesen, Fernsehserien gucken und sehr viel schlafen. Da ich aber merke, wie gut Bewegung meinem Körper tut, versuche ich jeden Tag mindestens einen langen Spaziergang zu machen. Zur Kita (und wieder zurück), durch den Kiez, wenn ich Besorgungen machen muss. Wenn ich mich dann noch aufraffen kann, trainiere ich ein wenig mit dem Schwangerschafts-Programm von Tracy Anderson. „The Pregnancy Project” enthält neun DVDs – für jeden Monat eine. Und auch, wenn Anderson mir als Trainerin manchmal zu schnell und beim Beinprogramm auch oft zu anspruchsvoll ist für das, was ich gerade leisten kann, mache ich, was ich eben schaffe – und fühle mich hinterher immer besser als vorher.

5) Eine Schwangerschaftsmassage
Mit Rückenschmerzen hatte ich die letzten Wochen öfter zu kämpfen. Letzte Woche wurde es dann ganz schlimm und ich konnte mich kaum noch bewegen oder am Schreibtisch sitzen. Da meine Hebamme mir eine Schwangerschaftsmassage bei Mamunette empfohlen hatte, habe ich mir einen Termin gemacht und was soll ich sagen. Hallelujagibtsdennsowas, hinterher bin ich auf kleinen Schäfchenwölkchen nach Hause geschwebt und die Schmerzen waren schon deutlich besser. Das wird auf jeden Fall wiederholt. Vielleicht fange ich auch wieder mit Yoga an – der Kurs, den ich letztes Mal dort gemacht habe, hat mir wirklich gut getan.

6) Die Vorfreude
Zwischen dem positiven Schwangerschaftstest und der Halbzeit dieser Schwangerschaft sind gefühlt drei Sekunden vergangen. In welcher Woche ich gerade bin, weiß ich meistens nur durch meine App. Damit diese Schwangerschaft nicht vollkommen an mir vorbei rast, habe ich angefangen, zwischendurch ein paar Kleinigkeiten fürs Baby zu besorgen. Und zu überlegen, wie ich aus unserem Schlafzimmer ein Zimmer für drei machen kann. Dann funktioniert ganz gut. Denn jedes Mal, wenn ich meine Kommodenschublade aufmache und die winzigen Dinge sehe, die da schon warten, dann freue ich mich so unendlich  – auf dieses Kind und das zu viert sein. 

DER MAI 2016 (UND WAS IHN GUT GEMACHT HAT)




Nicht mehr so viel nachgedacht, dafür viel genossen. Verrückt, wie sich das Leben verändert, wenn man tagsüber die Balkontür aufmacht. Und es Erdbeeren zum Frühstück gibt. Wie schön es ist, morgens bloß ein T-Shirt überzuziehen. Alles so viel leichter gerade. Hellblauer Himmel, hellblaue Laune. Und:

* Eis, Eis, Eis. Eis mit Streuseln. Und natürlich Spaghetti-Eis. Spaghetti-Eis geht immer. Und kleine Runden um den Pudding, um beim Späti noch ein Vanilleeis für sie zu holen. Und Zitrone-Buttermilch für mich.
* Jeden Morgen mit dem Fahrrad durch den Erdbeerstand-Duft zu fahren.
* Riesige dunkelrote Pfingstrosen vom Markt mitgebracht zu bekommen. 
* Die ersten Sandalen-Tage, endlich wieder nackte Füße. Manchmal auch zu zweit in Gold. 
* Ein sehr interessanter Text darüber, wie es ist, drei Kinder zu haben: „Three is a magic number”.
* Die ersten kleinen Dinge fürs Baby. Ich hatte vergessen, wie klein das alles ist. Und wie es mich jedes Mal rührt, etwas so Winziges in den Händen zu halten, meine Güte, Strampler in Größe 56. Für den Rassel-Wal bin ich extra in meinen alten Kiez nach Schöneberg zum Monkind X Gretas Schwester StudioStore gefahren, ein toller Laden (bald mal mehr darüber). 
* Blaubeeren, am liebsten eingekocht auf Joghurt mit ganz viel Müsli. Jeden Tag, ich bin so ein Obsessiv-Esser, gerade noch mehr als sonst.
* Die Vorfreude auf das neue Buch von Joseph O´Neill: „Der Hund”. Ich habe „Niederland” so gemocht. Und mir nach „Vom Ende der Einsamkeit” geschworen, wieder mehr zu lesen. Es macht mich so reich.
* Spargel aus dem Ofen. Für mich so viel besser als Spargel aus dem Topf. Und so einfach zu machen: den Spargel schälen, 8-10 Spargelstangen in ein Paket aus Alufolie geben (doppelt hält da besser), salzen, pfeffern, mit ein wenig braunem Zucker bestreuen und mit zwei, drei Butterflocken belegen, dann gut (aber nicht allzu fest) verpacken und für 40-50 Minuten in den Ofen bei 200°C. (Jupp, ich denke gerade wirklich immer nur ans Essen). Danke, Mama.
* Dieses Interview mit Christine Nöstlinger – nicht neu, aber so gut. 
* Elisabeth Rank unterhält sich mit Malin Elmlid und ich habe das sehr gerne gelesen. 
* Wie auch diese Geschichte: „I was Prince´s Private Chef”.
* Und diese Geschichte, die mich unendlich gerührt hat: „On Being a Surrogate.” 
* Auf den Gehwegen von Boston stehen Gedichte, die erst sichtbar werden, sobald es regnet.
* Und noch dieser Film, den ich mir gerne angesehen habe: „Im Sommer wohnt er unten”.

Und ihr so?
Habt ein schönes Wochenende!

VOM ENDE DER EINSAMKEIT



„Es hieß, unsere Großmutter sei in ihrer Jugend eine hervorragende Schwimmerin gewesen und im ganzen Dorf beliebt. Das musste hunderte Jahre her sein. Ihre Arme wirkten zerbrechlich, sie hatte einen runzligen Schildkrötenkopf, und der Lärm, den ihre Enkel machten, schien sie kaum noch zu ertragen. Wir Kinder fürchteten uns vor ihr und vor dem karg eingerichteten Haus mit den altmodischen Tapeten und Eisenbetten. Ein Rätsel, wieso unser Vater jeden Sommer hierherkommen wollte. „Es war, als müsse er Jahr für Jahr an den Ort seiner größten Demütigung zurückkehren”, hatte Marty später einmal gesagt. Doch es gab auch: Kaffeeduft am Morgen. Sonnenstrahlen auf dem gefliesten Boden des Salons. Zartes Scheppern aus der Küche, wenn meine Geschwister das Besteck für das Frühstück holten. Mein Vater in seine Zeitung vertieft, meine Mutter Pläne für den Tag schmiedend. Danach Höhlenwanderungen, Fahrradtouren oder eine Partie Pétanque im Park.

Lange bin ich nicht mehr in einem Buch versunken. Mir fehlt gerade die Ruhe dazu. Wenn viel los ist in meinem Leben, schaue ich mir lieber einen Film oder eine Fernsehserie an, irgendetwas, das mir nicht allzu nahe kommt. Dann kam dieser Tag, an dem es mir nicht gut ging und ich den ganzen Tag im Bett lag. Also fing ich an zu lesen, das Buch, das ich eigentlich schon in Paris anfangen wollte. Und ich las. Und las weiter. Noch ein Kapitel. Und noch eines. Zwischendrin habe ich geweint, irgendwie war mir das peinlich, sogar vor mir selbst, wahrscheinlich weil ich nicht einmal wusste, was genau mich da eigentlich so getroffen hatte. Das passiert mir manchmal. Dann erwischt mich ein Satz, ein Text, ein Song, und rumort in mir herum, weil ich etwas von mir in ihm erkenne, für das ich vorher noch keine Worte hatte.

„Was wäre das Unveränderliche in dir? Das, was in jedem Leben gleich geblieben wäre, egal, welchen Verlauf es genommen hätte?”

In „Vom Ende der Einsamkeit” erzählt der Münchner Autor Benedict Wells von Jules, der nach einem Motorradunfall aus dem Koma erwacht. Er überlebt, obwohl es knapp war. Es ist nicht der erste Unfall, der ihn aus der Bahn wirft. Denn als Jules zehn Jahre alt ist, sterben seine Eltern bei einem Autounfall und plötzlich ist alles anders. Zusammen mit seinen Geschwistern Marty und Liz kommt er auf ein Internat. In den Jahren danach versuchen sie, ihren Weg zu finden und finden doch lange nicht zu sich selbst. Sie fallen hin, stehen wieder auf, suchen weiter, versuchen, einander Halt zu geben und bleiben doch (lange) alleine. Die Geschichte nimmt dann noch viele Wendungen, und aus der Geschichte eines einsamen Jungen wird die Liebesgeschichte eines Paares. Doch die Fragen, die allem zugrunde liegen, bleiben immer die gleichen: Wie wird man zu dem Menschen, der man ist? Wie lange hat man Zeit, etwas an diesem Menschen zu ändern? Und wie schafft man das überhaupt? Zumindest sind das die Fragen, die ich beim Lesen im Kopf hatte – wahrscheinlich kann einem dieses Buch noch viele andere Fragen stellen. Auch das mag ich so an „Vom Ende der Einsamkeit”: Es ist unheimlich präzise, genau, dicht. Und lässt doch vieles in der Schwebe. Es ist unendlich traurig und mag dabei das Leben sehr. Es haut manchmal ziemlich in die Vollen und lässt seine Figuren mehr durchleben, als gefühlt in ein Leben passt. Aber ich mag auch diese Undosiertheit und das Nicht-Aussparen, ich mag es, wenn Geschichten sich das trauen. Und einen so gar nicht in Ruhe lassen. Endlich mal wieder. 

„Glaub mir, ich hab´s verdient, dass er mich verlassen hat.” Fast spöttisch: „Jules, du siehst immer jemanden in mir, der ich nicht bin.”
„Nein, andersrum. Du bist jemand, den du nicht siehst.”

Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit”, 368 Seiten, Diogenes. 
»

Slomo All rights reserved © Blog Milk Powered by Blogger