UND WIE MACHST DU DAS, BERIT?


Name: Berit Walch
Alter: 36 
Mutter von: Nik und Jona 
Stadt: Ein kleines Örtchen bei München

Wie war es für dich, als du erfahren hast, dass du Zwillinge bekommst?
Ich kann mich an jede Sekunde dieser Situation erinnern. Ich sitze auf dem Behandlungsstuhl meiner Frauenärztin, die mit einem Ultraschallstab herumwurschtelt und betrachte den schwarz-weißen Bildschirm, auf dem ich eigentlich nie so richtig etwas erkenne, außer psychodelisch wabernde Flecken. Ich halte es für ein medizinisches Wunder, dass es einem menschlichen oder vielmehr ärztlichem Auge gelingt, auf diesen Dingern Nieren, Blasen und Magenwände auszumachen. Aber dann erkenne ich doch etwas. Zwei weiße Punkte. Moment mal. Hab ich Halluzinationen? Wieso zwei? Meine Frauenärztin, eine ältere, ebenso herzliche wie kurzsichtige Frau, die nicht wirklich die Souveränste im Umgang mit ihrem Ultraschallgerät ist, nestelt an ihren Instrumenten herum. Während ich immer noch Kopfrechenarbeit leiste, drückt sie permanent auf einen kleinen Knopf, von dem ich nicht die leiseste Ahnung habe, wofür er gut sein soll. Ich starre wie paralysiert auf den Bildschirm und frage: „Äh… Entschuldigung? Sind das da ZWEI Embryos???“ Sie runzelte die Stirn, rückt sich (eine gefühlte Ewigkeit) die Brille zurecht, heftet sich mit ihrer Nase vor den Bildschirm und nimmt mir die Sicht auf die zwei, nein halt, meine zwei Punkte. Am liebsten würde ich sie zur Seite schubsen. Dann höre ich einen Satz, der nach mehr als drei Jahren noch immer in meinen Ohren nachhallt: „Ach tatsächlich, das sind wirklich ZWEI!“ 

In diesem Moment prasseln Bilder aus der Zukunft über mich herein, als wäre die Glaskugel eines Wahrsagers zersprungen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich selbst Zwilling bin. Ich sehe mich mit zwei Babys auf dem Arm, sehe zwei Schultüten, vier kleine Schuhe auf dem Flur, zwei Geburtstagstorten auf dem Tisch. Ich werde von Wärme und Kälte zeitgleich durchflutet und lache und weine. Ich lache, weil ich als Zwilling weiß, dass es nichts Großartigeres auf der Welt gibt als eine Zwillingsschwester. Und ich weine, weil ich in diesem Moment das erste Mal in meinem Leben begreife, wie schwer es für meine Mama gewesen sein muss, uns beide groß zu ziehen. Eine Stunde und 100 weise Ratschläge meiner Ärztin später, taumele ich aus der Praxis, beseelt von dem Gefühl, ein unglaubliches Geheimnis in mir zu tragen, das nur ich und meine Frauenärztin kennen. Ich rufe meinen Mann an, um es mit ihm zu teilen. Das Glück strömt durch mich hindurch und Tränen über mein Gesicht, als ich sage: „Du wirst Doppel-Papa! Es sind Zwillinge!“

Wie kompliziert oder unkompliziert ist es, einen Kita-Platz für Zwillinge zu finden?
Meine Erfahrung: Für Großstadt-Mamis ist ein Kita-Platz mit Zwillingen ungefähr so realistisch, wie die Aussicht auf einen Morgen, an dem die beiden frisch geföhnt und selbstständig angezogen mit einem Frühstückstablett vor dem Bett stehen und fragen: „Mama, magst Du jetzt Croissant und Kaffee, oder nach dem Schaumbad, das wir gerade für dich eingelassen haben?“

Als wir damals noch in München wohnten, und ich gerade dabei war, meinen KITA-Triathlon oder besser den KITA-Iron-Man (ich klapperte mehr als 20 ab) zu bewältigen, hörte ich bei fast jeder Einrichtung folgenden Satz: „Zwillinge?! Da nehmen sie ja gleich zwei Plätze weg(!)“. Soviel dazu. Schlussendlich steckten mein Mann und ich unsere Kinder (und nahezu unser gesamtes Gehalt) in eine der teuersten KITAS Münchens, die – Überraschung – noch zwei Plätzchen auf ihren Yoga-Matten frei hatte. Als dann eines Tages unsere eineinhalbjährigen Kinder zur Oma statt „Gute Nacht“ „Good Night“ sagten, weil sie das in ihrem Englisch-Kurs in der KITA gelernt hatten, war das Maß voll. Wir flüchteten aufs Land. Unsere jetzige KITA, bei der wir sofort zwei Plätze bekamen, ist zwei Gehminuten von unserem Haus entfernt, kostet ein Viertel von dem, was wir vorher bezahlt hatten, und hat einen Garten, der so riesig ist, dass man Geo-Caching darin veranstalten kann. Ja, auf dem „Dorf“ ist die Welt einfach noch in Ordnung.

Unter welchen Bedingungen arbeitest du? Wie funktioniert das für dich?
Folgende Worte einer Freundin haben mir das Leben gerettet: 
„Berit, wenn du in Teilzeit wieder anfängst – nimm dir den Freitag frei!“ Liebe Ute, wenn du das liest: Dein Rat war das wahrscheinlich Weiseste, das jemals ein Mensch zu mir gesagt hat. DANKE! Nur so funktioniert es für mich: Ich arbeite von Montag bis Donnerstag von 09:30 bis 15:00 Uhr. Mein Tag splittet sich also in zwei Hälften: Wahnsinn am Vormittag in der Firma (mit ein bisschen Chaos davor – Stichwort: Zwillings-KITA-Logistik) und Wahnsinn am Nachmittag zu Hause (mit ein bisschen Chaos danach – Stichwort: Zwillings-Bett-Logistik). Beide Hälften liebe ich heiß und innig. Abends falle ich wie ein Stein ins Bett und anschließend ins Koma, aus dem mich gegen 1:15 ein  
„MAAAAAAAAAAAAAAAAMA“ von Nik und um 2:30 ein  
„MAAAAAAAAAAAAAAAMA“ von Jona reißt. Und am nächsten Tag? Geht der Wahnsinn in zwei Hälften wieder von vorne los. Da ist der Freitag dann schlichtweg das Licht am Ende des Wochentunnels. Mein Mann behauptet in seiner unendlichen Dreistigkeit doch tatsächlich, ich hätte an diesem Tag „frei“. Das ist so natürlich keinesfalls richtig, denn das impliziert ja, ich hätte freitags so etwas wie Urlaub. Falsch. Ich habe freitags REHA! 

Wieviel Zeit hast du für dich – jenseits deiner beruflichen und familiären Aufgaben? Reicht sie dir?
Hier meine Freizeitgestaltung knapp zusammengefasst: 
Montag bis Donnerstag 20:30 – 22:00 Uhr: Zeit für Hobbies (wie Schreiben/ Lesen/ Weißbier trinken), manchmal auch exakt in dieser Reihenfolge. 
Die weitere Stunde (um 23:00 Uhr falle ich ins Bett) kann man streng genommen nicht mitzählen, weil ich zu diesem Zeitpunkt bereits so müde bin, dass ich die Welt nur noch in Fragmenten wahrnehme (wobei dieser Zustand durchaus angenehm ist).

Einmal pro Woche 19:30 – 23:30: Mädels-Abend! 
Wir sind mittlerweile fast alle Mamis und zwingen uns mit viel Selbstdisziplin, diese Tradition aufrechtzuerhalten. 
Wenn wir unserem Schweinehund erstmal den Arschtritt verpasst haben (verzieh Dich, Töle, ich BRAUCHE ein Leben neben Windeln und Weichspüler!), in unserer Stamm-Kneipe sitzen und wie früher in einen Tratsch-Rausch verfallen, ist dieser Abend der schönste der Woche. Die Tatsache, dass das „Erwachen am Morgen“ grausam werden wird, können wir mit Enthusiasmus und viel Alkohol erfolgreich verdrängen. 

Einmal pro Woche FREI-Tags 8:00 – 15:00: Regeneration.
Ich genieße den Luxus, erst nach dem KITA-Gang zu duschen (und zwar exzessive 20 Minuten) und verbringe den Rest des Tages mit der wohl herrlichsten aller Freizeitbeschäftigungen einer Mutter: dem NICHTSTUN, dass ich nur bei ungeahnten Energieschüben mit Soft-Shoppen und einem Spaziergang kombiniere. 

Einmal pro Woche (je nach Absprache mit meinem Mann Samstag oder Sonntag) 23:00 – 09:30 verbringe ich meine Zeit mit der wohl zweitherrlichsten aller Freizeitbeschäftigungen einer Mutter: SCHLAFEN! 

Ob mir das reicht? Nein! Immer, wenn mir das bewusst wird, zähle ich die Tage, bis Nik und Jona endlich „groß“ sind, in die Schule gehen und ich wieder mehr Zeit für mich habe. Und immer wenn ich das denke, wird mir klar, dass ich JEDE SEKUNDE genießen, ja, aufsaugen muss, in der Nik und Jona „klein“ sind und mir meine Freizeit rauben. Denn letztlich sind es diese Momente, die mein Leben ausmachen: Wenn die zwei mich in den Wahnsinn treiben, weil sie ihre Schuhe verkehrt herum angezogen haben und darauf bestehen, so in die Stadt gehen zu wollen; mich mit einem „MAAAAAAAMA“ aus dem Schlaf reißen, weil ihr Kuscheltier verschollen ist oder sich Bauklötze auf den Kopf hauen, um zu überprüfen, wie das klingt. Meine Zwillinge sind die zeitraubendste, schönste Freizeitbeschäftigung, die ich mir vorstellen kann.  

Was empfindest du als besonders anstrengend?
Es sind die kleinen Momente, die das Dasein als Zwillings-Mami anstrengend machen. Zum Beispiel, wenn man seine Kinder an einer vielbefahrenen Straße aus dem Auto holen möchte. Für eine Mutter mit einem Kind ist das ein Handgriff, für eine Zwillingsmami Hochleistungs-Akrobatik. Hier eine kleine Turn-Anleitung: Man klemme das erste Kind, das man aus dem Auto gehoben hat, mit dem Kopf zwischen seine Schenkel, während man sich bereits dem Bandscheibenvorfall nahe, in das Fahrzeug beugt, um das zweite Kind abzuschnallen. Wuchte es dann neben den Zwillingsbruder (ohne den dabei versehentlich zu zerquetschen) und rufe den aufgebrachten Passanten, die gerade im Begriff sind, das Jugendamt einzuschalten zu: „Guckt nicht so doof, das gehört so!“ 

Was macht dich besonders glücklich?
Es macht mich glücklich, dass jeder Tag mit meinen Kindern wie eine Reise in meine eigene Kindheit ist. Sie erinnern mich daran, dass ein Kind immer reich ist. Wie wertvoll Tannenzapfen, Schneckenhäuser und Kronkorken sind. Sie erinnern mich daran, wie es ist, sich für kleine Dinge Zeit zu nehmen. Wenn man auf dem Weg zur KITA (die man eigentlich binnen zwei Minuten abgehetzt erreichen müsste, um noch rechtzeitig zum Frühstück zu erscheinen) ein Blümchen am Wegrand, ein Flugzeug am Himmel oder eine Kippe auf der Straße bewundert. Sie erinnern mich daran, dass es das größte aller Gefühle ist, wenn man etwas selbst geschafft hat; dass es natürlich ein Drama und keine Kleinigkeit ist, wenn eine Mama aus der KITA die kleine Pforte zum Gruppenraum aufgemacht hat, obwohl man das eigentlich selbst machen wollte. Sie erinnern mich daran, wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben. Wie dringend man einen alten Schal inspizieren muss, der im Gebüsch hängt. 

„Mama, was ist das?“  
„Ein alter Schal.“  
„Wer hat ihn da hingeworfen?“  
„Keine Ahnung. Irgendjemand.“  
„Warum?“  
… 

Es macht mich jeden Tag glücklich, dass ich die Welt durch die Augen meiner Kinder sehe.


Auf dem amerikanischen Blog „Kveller - Life with Twins” schreibt Adina Kay-Gross: „Holy Crap! Twins?? That´s what we hear on a regular basis, usually as we walk around the neighborhood with our mammoth stroller loaded with our 4-month-old twin girls. We are a magnet for kind and curious comments from strangers. (...) The questions continue to come: „Twins?! Holy Crap. What´s that like, having two? And that´s usually followed by: „I cannot. Even. Imagine.” Hast du ähnliche oder ganz andere Erfahrungen als Zwillingsmama gemacht? 

Exakt dieselbe, nur das sich das in Bayern so anhört: 
„Ja do legst di nieda, zwoa glei? Naa, des kannt‘ i ned!“ 
(= „Ja, sowas, zwei gleich? Also ich könnte das nicht!“ )

Ich antworte dann immer, dass ich ja nicht wissen kann, wie es ist, nur ein Kind großzuziehen. So, wie ein Mensch, der ohne Beine geboren wird, auch nicht weiß, wie es ist, Füße zu haben. 

Welche Fragen werden dir andauernd gestellt – und wie beantwortest du sie? 
Es ist wirklich lustig, aber die häufigste Frage, wenn ich mit meinen beiden Kindern, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen, durch die Straßen gondele, ist folgende: „Sind das Zwillinge???“ Ich antworte dann (wahlweise): „Nein, das ist das Kind unserer Nachbarn, das meinem verblüffender Weise zum Verwechseln ähnlich sieht.“ Oder eben schlichtweg: „Ja.“  

Was hast du durchs Muttersein über dich und die Welt gelernt, das du vorher nicht wusstest?
Ich wusste nicht, wie schön es sich anfühlt, wenn deine Kinder bei dir auf der Brust liegen, in andächtiger Stille, weil du ihnen die Geschichte von Minimaus und dem Mond erzählst und du erst nach einer halben Stunde merkst, dass sie dir gar nicht zuhören, sondern schlafen. Ich wusste nicht, wie schön es klingt, wenn deine Kinder in schiefen Tönen und voller Inbrunst „Meine Oma fährt im Hühnerstall „Totorrad““ singen. Ich wusste nicht, wie gut die Haare deiner Kinder riechen, selbst wenn du sie zwei Wochen lang nicht gewaschen hast, weil Haarewaschen einem Nahkampf gleich kommt. Vor allem aber wusste ich nicht, was echte Angst bedeutet. Bevor ich Mutter wurde wusste ich nichts.

Gibt es wirklich eine besondere Bindung zwischen Zwillingen?
Oh ja, die gibt es. Ich weiß es spätestens seit folgendem, magischen Moment. Meine Zwillinge kamen viel zu früh, in der 29. Woche, als sogenannte „Extrem-Frühchen“ zur Welt. Jona wog 1.500 – sein Bruder 1.000 Gramm. Beide wurden nach der Geburt getrennt und in separaten Inkubatoren aufgepäppelt. Beim sogenannten „Känguruhen“, bei dem der Mutter das Kind auf die Brust gelegt wird, damit es die Wärme und den Herzschlag seiner Mama spüren kann, wechselte ich mich mit beiden ab. Vormittags känguruhte ich mit Nik, nachmittags mit seinem Bruder. Als es Jona eines Tages sehr schlecht ging, und seine Sättigungswerte immer weiter in den Keller rauschten, beschloss eine Krankenschwester, Nik dazu zu holen. Es war eine sehr aufwendige Prozedur, ihn aus dem anderen Zimmer mit all den Geräten und all den Schläuchen zu seinem Bruder auf meine Brust zu betten. Aber dann war es soweit. Nik sah Jona, mit dem er sich sieben Monate lang eine Bauch-WG geteilt hatte, nach zwei Wochen Trennung das erste Mal wieder. Erst drehte er sein Köpfchen und schien sich zu wundern. Dann umklammerte er mit seinem winzigen Arm seinen Bruder, als wolle er ihn begrüßen. Es war ein unbeschreiblicher Moment – für uns alle. In wenigen Minuten stabilisierte sich Jonas Sättigung und sein Herzschlag. Von diesem Tag an känguruhten wir nur noch zu dritt. 

Du hast in deiner Elternzeit ein Buch geschrieben. Wie kam es dazu und wie war das für dich?
Schon als kleines Mädchen liebte ich es, Geschichten zu schreiben. Ich schrieb über Kaulquappen und Baumhäuser, darüber, wie es wäre Forscherin zu sein, über Räuber, die sich im Park versteckten und Wassermänner, die in Flüssen lebten. Als ich dann als 10-Jährige einen Schreibwettbewerb gewann, der Bürgermeister mir die Hand schüttelte und ich staunend feststellte, dass sogar ein Fotograf ein Bild von mir wollte, beschloss ich, Schriftstellerin zu werden. Aber wie das mit Kindheitsträumen so ist – es sind eben Träume, und mit denen verdient man kein Geld. Ich wurde Journalistin beim Fernsehen. Immerhin, hier durfte ich schreiben. Ich schrieb mal Moderationstexte, mal Treatments. Ich schrieb Drehbücher und Konzepte. Letztlich aber schrieb ich Papier voll. Über das, was ich liebte, schrieb ich nicht. Vielleicht wäre das auch für immer so geblieben, wenn ich eben nicht Mama von zwei Frühchen geworden wäre. Diese beiden Winzlinge (die heute gar nicht mehr winzig sind, sondern 3-jährige propere Jungs) sorgten dafür, dass ich mich daran erinnerte, wer ich wirklich war, und was ich wirklich wollte. Als ich mit ihnen Stunden, Tage und Wochen in einem Klinikzimmer auf einem Klappstuhl verbrachte, stand meine Welt still. Als hätte jemand auf eine Bremse getreten. Das Leben, durch das ich bis dahin gehetzt war wie eine Getriebene, spielte sich in Slow-Motion ab. Es gab nur mich, den Stuhl, meine beiden Kinder auf meiner Brust – und meine Geschichten. Mal dachte ich sie leise, mal erzählte ich sie den Zwillingen in ihr Ohr. Sie waren unsere Begleiter in einer kleinen, surrealen Welt, einem Klinikraum der Neointensiv München. Als ich meine Zwillinge dann endlich – nach fast 3 Monaten Klinik – über die Türschwelle in unser Zuhause trug, war es, als hätte man mich aus einem Käfig entlassen. Ich war nicht mehr Stunden um Stunden an einen Stuhl gefesselt. Ich durfte meine Kinder aus ihrem Bettchen heben, ohne vorher eine Schwester zu fragen. Ich konnte sie auf dem Arm herumtragen, ohne sie vorher von Kabeln und Schläuchen zu befreien. Ich war frei. Meine Kinder waren frei. Und weil sie das Känguruhen nicht mehr brauchten, sondern in ihren Bettchen schliefen, hatte ich plötzlich unendlich viel Zeit. Und so begann ich nach Jahren wieder eine Geschichte zu schreiben. Eine lustige (schließlich hatte ich die Wochen zuvor genug Tränen vergossen). Ich schrieb über eine junge Frau, die in München lebt, und taufte sie Milla. Ich schrieb über Milla, die von ihrer großen Liebe Tim verlassen wird, und dadurch in ein riesiges Chaos schlittert. Ich schrieb „30 Tage nach Tim“, einen Roman, der am 8. April bei forever by Ullstein veröffentlicht wurde. Und wenn ich das Cover des Buches heute betrachte, dann weiß ich, dass das Schrecklichste, das dir im Leben passieren kann, manchmal das Beste in dir hervorbringt. 

Falls ihr diesen Fragebogen so gerne gelesen habt wie ich: Hier gibt es eine Leseprobe von „30 Tage nach Tim“ (Ullstein/ Forever). Noch bis zum 1. Juni gibt es das eBook als Sonderaktion für 99 Cent. 
Alle anderen Mutterfragebögen sind hier nachzulesen.
Herzlichen Dank, liebe Berit.

NOCH EINMAL PARIS


Die Fliese in der Küche wackelt immer noch. Dafür steht im Wohnzimmer jetzt ein Plattenspieler mit zwei Kisten voller LPs: Sonic Youth, Belle and Sebastian, Michael Jackson, Elvis. Im Kinderzimmer gibt es ein Stoffhaus, in dem zwei Dutzend Kuscheltiere wohnen, und wo früher das Babybett stand, ist nun ein Kinderbett – die Betten sind mit den beiden Mädchen gewachsen. Vor drei Jahren waren wir das letzte Mal hier, jetzt tauschen wir mit der Familie, die wir so mochten, noch einmal unsere Wohnung: Berlin gegen Paris, Prenzlauer Berg gegen das 18. Arrondissement. Erst finden wir das richtige Stockwerk nicht, das erste links, oder?, nein, das zweite, oder doch das dritte? Es stehen keine Namen an den Türen, also geht er zurück ins Erdgeschoss und klingelt, bis wir die richtige Wohnung finden. Als wir die Tür öffnen, fühlt es sich wieder ganz vertraut an, ein schönes Gefühl, das in den nächsten Tagen noch wachsen wird. Unser Lieblingsbäcker gleich gegenüber, wenn man zum richtigen Zeitpunkt kommt, ist das Baguette noch warm. Das kleine Karussell vor der Metro-Station, nach der Hälfte der Fahrt lässt der Besitzer eine Stoffmaus an einer Leine über die Pferde und Kutschen fliegen, bis ein Kind es schafft, sich ihren Mäuseschwanz zu schnappen – dann darf es die nächste Runde kostenlos fahren. Am dritten Tag schafft Fanny es endlich und kann vor Freude kaum sitzen bleibenDer Spielplatz mit dem Brunnen, unten spielen die Kleinen, geht man die Treppe hinauf, gibt es noch einen zweiten Spielplatz für die Großen. Setzt man sich auf die Bank neben der Sandkiste, kann man die Spitze von Sacré-Cœur sehen. Der Supermarkt die Straße hinunter, nach ein paar Tagen hat jeder von uns seine Lieblinge: Orangina für ihn, Carambar für sie (die hab ich schon als Kind gemocht und es stehen noch immer Sprüche im Papier), für mich: Crême fraîche, Himmel, diese Crême fraîche, würde man eine Badewanne mit ihr füllen, man würde in ihr nicht untergehen. Geht man den Berg hoch, immer Sacré-Cœur entgegen, ist da plötzlich eine Allee, mitten in der Stadt. Wie hat Fanny das gesagt? „Paris ist so schön, dass es im Bauch kribbelt.”

EIN PAAR BÜCHER UND EINE PAUSE





Eigentlich ist ja der Mai dafür berühmt, dass er alles neu macht – bei mir ist es schon im April so weit. Für mich beginnt ein neues Jahr, ich arbeite wieder als freie Journalistin und wir fahren für ein paar Tage weg. Ein Monat, in dem vieles auf Anfang steht, und diese Anfänge möchte ich nach einiger Hektik in den letzten Monaten nicht vorbeirauschen lassen. Deshalb lege ich – auch hier – eine Pause ein. Bevor ich weg bin, noch ein paar Bücher, mit denen ich die nächsten Wochen verbringen werde, vielleicht ist ja auch etwas für euch dabei.

* Donald Ryan: Die Sache mit dem Dezember (Diogenes). Noch kann ich über dieses Buch nichts weiter sagen, als dass mir die ersten Seiten sehr gefallen. Hier kann man reinlesen.

* Rachel Kushner: Flammenwerfer (Rowohlt). Ein Tipp meines Buchhändlers, der dieses Buch so überzeugend beschwärmt hat, dass ich gleich reingelesen und es dann mitgenommen habe. "Jeder, der dieses Buch liest, liebt es", sagte er, "und jeder aus einem anderen Grund". Hier gibt es eine Leseprobe. Und hier ein Gespräch mit Rachel Kushner aus der Sendung "Kulturzeit".

* Marina Keegan: Das Gegenteil von Einsamkeit (S. Fischer, eine Leseprobe hier). Dieses Buch habe ich fast durchgelesen und mag es wirklich. Ich mag es, weil es in den Geschichten von Marina Keegan oft ums Ganze geht, um die Frage, wie man es hinkriegt, ein glückliches Leben zu führen oder zu lieben, ohne dass es weh tut. Und ich mag es, weil Marina Keegan nicht nur verdammt gut schreibt, sondern – bei aller Reife, allem Können und aller Tiefe – auch wie eine Einundzwanzigjährige. Anne Fadiman hat das in ihrer berührenden Einleitung so gut beschrieben: "Viele meiner Studenten klingen wie Vierzigjährige. Sie sind wortgewandt, orientieren sich aber an Vorbildern, ihre Stimmen sind gedämpft vom Wunsch, ihr aktuelles Alter und ihre eigenen Erfahrungen zu überspringen, weil sie beides für trivial halten, und produzieren dann Arbeiten von erwachsener Geschliffenheit, ohne über Los zu gehen. Marina war einundzwanzig und klang wie einundzwanzig: eine gescheite Einundzwanzigjährige, die begriff, dass es wenig bessere Themen gibt, als jung, unsicher, blauäugig, frustriert und zuversichtlich zu sein. Wenn sie ihre Arbeiten an unserem Seminartisch vorlas, prusteten wir vor Lachen, dann wechselte die Stimmung in Sekundenschnelle und uns brach das Herz." So geht es mir auch beim Lesen ihrer Geschichten. Wie unglaublich traurig, dass Marina Keegan bei einem Unfall ums Leben kam.

* George Saunders: Zehnter Dezember (Luchterhand) Dieses Buch habe ich mir gekauft, nachdem ich letzte Woche zum ersten Mal den "Dear Sugar"-Podcast gehört habe, in dem die Autorin Cheryl Strayed zusammen mit dem Autor Steve Almond über Leserbriefe spricht. Zum Thema "How Do I Survive the Critics" riefen die beiden den Schriftsteller George Saunders an und weil ich so klug fand, was er sagte, habe ich mir dieses Buch gekauft. Hier gibt´s eine Leseprobe, hier kann man den "Dear Sugar"-Podcast hören, zum Beispiel "The Family We Carry" oder "The Deal Killer" und hier gibt es die Dear-Sugar-Kolumnen auf The Rumpus.

* Melissa Hemsley & Jasmine Hemsley: Natürlich gut essen (Edel). Noch ein bisschen gesünder und bewusster essen – ein Plan für dieses Frühjahr. Marlene findet diese Rezepte super, jetzt bin ich gespannt, wie sie mir gefallen. Hier ist die Website der Hemsley-Schwestern.

* Nicole Stich: Reisehunger (GU) Wie ich mich über dieses Kochbuch von Food-Bloggerin Nicole Stich freue. Obwohl ich es erst ein paar Tage habe, wurde schon viel daraus gekocht – lauter Rezepte, die ich wieder kochen werde: eine göttliche Mac´n´Cheese-Variante (das perfekte Essen nach Blödsinnstagen), Pizza Bianca mit Feige und Rosmarin und die Caponata "Roscioli". Wirklich toll. Hier hat Nicole Stich über ihr neues Kochbuch geschrieben.

Der Stapel darf ruhig noch wachsen, falls ihr also gerade etwas Gutes lest und gelesen habt – ich freue mich wie immer über Tipps! Habt es schön im April.

EIN KOCHBUCH, EIN INTERVIEW, EIN REZEPT:
"YEMEK – REZEPTE AUS ISTANBUL"





Letzten Freitag lag Post in meinem Briefkasten. Post ist immer schön – der Inhalt dieses Umschlages hat mir aber schlagartig so gute Laune (und Hunger!) gemacht, dass ich ihn gerne teilen möchte: Isabel Lezmi, die ihr vielleicht durch ihr Food-Blog "lecker lezmi" kennt, hat zusammen mit der Illustratorin, Fotografin, Art-Direktorin und Autorin Lisa Rienermann und Make-up-Artist, Teppichdesignerin und Pop-up-Bakery-Betreiberin Veronika Helvacıoğlu das Kochbuch "Yemek – Rezepte aus Istanbul" geschrieben. Ein Kochbuch mit Rezepten aus dem Istanbuler Alltag, aber auch ein Buch, das ganz wunderbar von den Bewohnern dieser Stadt erzählt und von all den Köstlichkeiten, die man in ihr finden kann. Auf meiner Ausprobierliste: die Feta-Dillbrötchen, die süßen yufka-Apfelröllchen, der Ofenmilchreis, die Zimtaprikosen mit Rahm, der Karottenjoghurt, der Tomatenkräutersalat, die Auberginencreme, die türkische Nusspizza, das Grießdessert mit Zimt und Pinienkernen – und an der Länge dieser Liste merkt man auch schon, wie sehr mir dieses Buch gefällt. Deshalb gibt es heute ein paar Bilder, ein Interview mit den Autorinnen – und ein Rezept für gözleme (gefüllte Teigfladen). Vielleicht gefällt euch das alles ja so gut wie mir...

Wie habt ihr euer Herz an Istanbul verloren?
Isabel: Ich kann mich an gar keinen genauen Moment erinnern, ich weiß nur, dass ich mich schon bei meinem ersten Besuch Hals über Kopf in Istanbul verliebt habe. Ursprünglich wollte ich mit meinem Mann (Frederic ist Halb-Libanese) nach Beirut ziehen, aber mir war die Lage dort zu instabil und Istanbul war dann unser Plan B, den wir nie bereut haben. Ganz im Gegenteil!

Lisa: Als ich die Lezmis vor drei Jahren das erste Mal besucht habe, sind wir unglaublich viel durch die Gegend gelaufen und haben an jeder Ecke çay getrunken und was Leckeres gegessen. Nach dem hundertsten çay dachte ich dann: "Hier will ich leben!". Für länger hat es dann leider nicht geklappt, aber "Yemek" war ein toller Ausflug. Und immerhin lebe ich in Berlin-Kreuzberg in "little Istanbul".

Wie ist die Idee zu diesem Kochbuch entstanden – und wie würdet ihr das Ergebnis beschreiben?
Lisa: Die Initialzündung kam von Isa. Ich hatte vorher schon ein Kinderbuch über Essen gemacht  ("Entdecke, was dir schmeckt"), spiele und bastle generell sehr gerne mit Essen (z.B. Wahlwaffeln/-burger), da rannte sie mit ihrer Idee bei mir offene Türen ein.

Isabel: Meine Ursprungsidee war, einen kulinarischen Reiseführer für Istanbul zu machen. Weil es einfach so viele leckere Orte in der Stadt zu entdecken gibt, die kaum ein üblicher Reiseführer aufgreift und die schwer zu finden sind. Doch schnell war klar, dass Istanbul einfach viel zu schnelllebig für solch einen Guide ist. Wenn ich mal drei Wochen nicht in Karaköy war, hatten schon wieder fünf neue Cafés aufgemacht und mein Lieblingsrestaurant war umgezogen. Das Buch wäre bei Erscheinen also schon veraltet gewesen.

Lisa: Es war aber auch schnell klar, dass wir kein reines Kochbuch machen wollen, sondern auch Geschichten und Menschen und so mehr von der Stadt zeigen wollen. Als wir anfingen an der Struktur zu arbeiten, kamen wir auf die Gliederung nach Tageszeiten, so dass wir den Leser einen Tag lang an die Hand nehmen und durch Istanbul begleiten (so wie Frederic und Isa es mit mir bei meinem ersten Besuch gemacht haben).

Isabel: Die Idee dahinter war ein Buch wie ein Ferientag zu gestalten und dem Ganzen so einen schönen Reise-Charakter zu geben, als würde man die Zunge spazieren führen.

Wie muss man sich die Arbeit an einem Kochbuch vorstellen?
Lisa: Oh je, da fragst du was! Erst kam die Idee, dann der grobe Entwurf und damit haben wir uns dann auf die Suche nach einem Verlag gemacht. Und sind bei Edel Books und unserer wunderbaren Lektorin Nina gelandet.

Isabel: Wir haben alles in allem über ein Jahr an "Yemek" gearbeitet. Mir hat die Arbeit großen Spaß gemacht. Für mich war es ja das erste Buch, das ist natürlich etwas sehr Besonderes und beflügelt ungemein. Dass da noch parallel das erste Kind dazu kam, war so nicht geplant und hat es dann und wann doch etwas anstrengend gemacht. Aber Zoe hatte nichts dagegen in der Trage zu schlummern, während ich ein Gericht nach dem anderen gekocht habe. Und wenn wir gemeinsam mit Veronika heiß diskutiert haben, welches Rezept denn nun unbedingt ins Buch soll und welches auf keinen Fall, hat sie (meist) unbeeindruckt gedöst. Ich habe mich zum Beispiel geweigert, gefüllte Weinblätter mit aufzunehmen. Zwar mag ich die sehr gerne, aber das ist mir einfach zu aufwendig. Die schmecken auch gekauft einfach super. Beim Pudding-Rezept hat sich Lisa dann durchgesetzt, denn ich hasse Pudding wirklich inbrünstig und konnte mich auch kaum überwinden ihn zu probieren, als Lisa ihn gemacht hat.

Lisa: Wir haben aus zwei Städten zusammen gearbeitet, was dank Skype mittlerweile ja meist echt gut geht. Zur Hauptfotoproduktion bin ich dann nach Istanbul gefahren und Isa für den zweiten Block dann zu mir nach Berlin. Dass wir beide während der Arbeit an dem Buch Babys bekommen haben, war vorher nicht abzusehen und stellenweise auch anstrengend, hat uns aber zusätzlich zum gemeinsamen Baby "Yemek" doch sehr zusammen geschweißt.

Habt ihr unter all den schönen Rezepten ein Lieblingsgericht, das für euch besonders nach Istanbul schmeckt?
Isabel: Jede von uns trägt im Buch ja ihr Lieblingsgericht auf Händen. Ich habe mich für irmik helvası entschieden (ein klassisches Grießdessert mit Zimt und Pinienkernen, das es sehr oft zum Abschluss eines meze-Abends gibt), mag aber auch sehr gerne die mit Hackfleisch gefüllte Honigmelone. Die erinnert mich an einen tollen Besuch im Asitane, einem Restaurant, das sich auf historische osmanische Rezepte spezialisiert hat. Die Vorstellung, dass schon die Sultane ihre Honigmelone so gegessen haben und ihre europäischen Gäste damit beeindruckt haben, gefällt mir.

Lisa: Meze, die vielen kleinen (Vor-)Speisen, liebe ich sehr. In patıcan ezmesi (Auberginencreme) könnte ich baden!



Wie würdet ihr die Küche dieser Stadt jemandem beschreiben, der sie noch nie probiert hat?
Isabel: Istanbul ist unglaublich reich an Geschmack. Und extrem. Es gibt dort einfach immer alles und meist gleichzeitig. Starker schwarzer Tee, deftiges Lammfleisch, zuckersüße Baklava und kräftiger Schafskäse. Das kann einem schnell zu viel werden. Deswegen sollte man dann aber nicht zu McDonalds flüchten, sondern sich auf die Suche nach den feinen Zwischentönen machen, denn die gibt es in den Seitenstraßen. Dort locken kleine Mittagslokale mit duftenden Eintöpfen und einfache Restaurants mit exzellenten meze. Wäre die Stadt ein Geschmack, würde ich sagen, es ist Joghurt mit tahin (Sesammus).

Lisa: Ich esse fast kein Fleisch. Von daher bin ich von den vielseitigen fleischlosen Gerichten und Snacks wie etwa gözleme begeistert.

Wenn man – wie ich – noch nie in dieser Stadt war, aber dringend einmal hin möchte: Was sollte man in Istanbul tun, sehen und natürlich essen?
Isabel: Hach, Okka, das ist schwierig! Die Stadt ist so, so groß und es gibt unendlich viel zu entdecken. Ich habe ja selbst nach über drei Jahren das Gefühl, noch immer nicht alles mitgenommen zu haben. Jemandem, der nur kurz zu Besuch ist, rate ich, sich treiben zu lassen. Wenn man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten hetzt, das im worst case auch noch im viel zu dichten Berufsverkehr, verliert man kostbare Zeit und bekommt irgendwie nichts von dem tollen Flair Istanbuls mit. Lieber einfach loslaufen und gucken. Meine Lieblingsviertel zum Flanieren sind: Moda, Kuzguncuk, Cihangir, Arnavutköy, Cukucurma und Balat. Oder sich ins Schiff setzen und den Bosporus lang schippern bis hoch ans Schwarze Meer, dort lecker Fisch essen und wieder zurück cruisen – definitiv eine der entspanntesten Arten, viel von der Stadt abseits der Touristenviertel zu sehen. Beim Essen würde ich dir raten, immer der Nase nach. Schau, wo die Türken essen und probier alles mal aus (auch das Streetfood). Und wenn du bereit bist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, geh ins neolokal. Ich hatte dort das beste Dinner meiner gesamten Istanbul-Zeit!

Lisa: Und natürlich çay trinken. Überall, an jeder Ecke und am allerschönsten auf der Fähre.








GÖZLEME 
Gefüllte Teigfladen 
(für vier Personen, vegetarisch)
Dauer: 1 Stunde

ZUTATEN

Für den Teig:
300g Weizenmehl
1 TL Salz
70ml Olivenöl

Für die Füllung:
1 mittelgroße Kartoffel (ca. 170g)
100g frischer Spinat
2 Frühlingszwiebeln
150g Feta, zerbröckelt
Salz
1 TL pul biber (Paprikaflocken – falls man die nicht bekommt, eignet sich edelsüßes Paprikapulver als Ersatz)
Sonnenblumenöl zum Anbraten

Für den Teig das Mehl mit dem Olivenöl, dem Salz und 250 ml Wasser in einer großen Schüssel mischen. 10 Minuten kneten, bis es ein klebriger Teig wird. Ist er zu nass, noch etwas mehr Mehl dazugeben. Die Schüssel mit einem Küchentuch bedecken, zur Seite stellen und 20 Minuten ruhen lassen.

Für die Füllung die Kartoffel schälen und in einem Topf mit heißem Wasser weich kochen. Abgießen und die Kartoffel mit einer Gabel in einem tiefen Teller zerdrücken. Den Spinat waschen und klein schneiden. Die Frühlingszwiebeln putzen und in feine Ringe schneiden. Alle Zutaten in Schälchen beiseitestellen.

Jeweils eine Golfball große Menge vom Teig nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche mit einem Nudelholz (auch das unbedingt mit etwas Mehl einreiben) zu einem kleinen Fladen (ca. 15 cm Durchmesser) ausrollen. Der Teig soll ca. 2 mm dünn sein. 

Jetzt geht es ans Füllen. Am besten verschiedene Kombinationen ausprobieren: etwas Feta mit Spinat oder Kartoffel pur mit pul biber oder auch alles zusammenmixen. Wichtig ist nur, nicht zu viel Füllung zu nehmen, denn sonst reißt der dünne Teig. Die Füllung auf die obere Hälfte des Fladens geben und dabei einen Rand von ca. 1 cm lassen. Salzen, zusammenklappen und den Rand zusammendrücken. 

Etwas Sonnenblumenöl in einer großen Pfanne erhitzen und die gözleme darin bei mittlerer Hitze je ca. 2 Minuten pro Seite anbraten, bis sie goldbraun sind. Schnell aufessen, frisch aus der Pfanne schmecken sie am allerbesten!

Danke, liebe Isabel und liebe Lisa!


Alle Fotos aus: "Yemek – Rezepte aus Istanbul" von Isabel Lezmi, Lisa Rienermann und Veronika Helvacıoğlu, Edel Books, 160 Seiten, 17,95 Euro.

PS: Und noch ein Ausstellungshinweis für alle Berliner: In der Marokkanischen Botschaft kann man ab dem 28. März die Portraits von Fotograf Thomas Rusch sehen, die an Grauem Star erkrankte Menschen zeigen. Er fotografierte 82 marokkanische Handwerker, die von der Erblindung bedroht sind. Mit dem Erwerb einer Fotografie finanzieren die Käufer die Operation der auf dem Foto abgebildeten Person. Mehr Informationen unter: www.portraid.org

ZEHN FILME, AUF DIE ICH MICH FREUE


Dieses Jahr will ich mir wieder mehr Filme ansehen. Zum Beispiel diese.

1) "Rico, Oskar und das Herzgebreche" von Wolfgang Groos mit Anton Petzold, Juri Winkler, Karoline Herfurth, Ronald Zehrfeld, Milan Peschel, Moritz Bleibtreu und Katharina Thalbach.
Zwei hinreißende Jungs und eine hinreißende Freundschaft. "Rico, Oskar und die Tieferschatten" ist einer meiner Lieblingskinderfilme. Jetzt startet der zweite Teil. (Hier ist ein Trailer vom ersten Teil, zum zweiten habe ich noch keinen gefunden). Start: 11. Juni



2) "Victoria" von Sebastian Schipper mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit und Max Mauff.
Ein Mädchen, vier Jungs, eine Nacht, eine einzige Einstellung. Und er ist von Sebastian Schipper ("Absolute Giganten"). Start: 11. Juni



3) "Gefühlt Mitte Zwanzig" von Noah Baumbach mit Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried und Adam Driver.
Noah Baumbach hat einen neuen Film gedreht. Nachdem mich "Frances Ha" so umgehauen hat, werde ich mir diesen Film auf jeden Fall ansehen. Start: 16. Juli.



4) "Taxi" von Jafar Panahi mit Jafar Panahi.
Ein Taxi in Teheran. Und darin eine ganze Welt. Start: 23. Juli



5) "Ricki and the Flash" von Jonathan Demme mit Meryl Streep, Lisa Joyce, Kevin Kline und Mamie Gummer.
Jonathan Demme mag ich meistens sehr. Und Meryl Streep als Rocksängerin klingt auch sehr gut. Start: 27. August

6) "Trainwreck" von Judd Apatow mit Amy Schumer, Bill Hader und Brie Larson.
Brachialer Humor, der gleichzeitig sehr abgründig und melancholisch ist. Bei Judd-Apatow-Filmen weiß ich hinterher selten, ob ich ihn wahnsinnig mag oder ob er mich total erschreckt. Meistens beides. Start: 27. August.



7) "The Joan Didion Documentary" von Griffin Dunne und Susanne Rostock.
Eine Dokumentation über die Schriftstellerin Joan Didion. Für 15 Dollar kann man sich den Film (voraussichtlich) im September herunterladen.



8) "Alles steht Kopf" von Pete Docter mit Amy Poehler, Bill Hader und Mindy Kaling.
Ein Pixar-Animationsfilm über die Gefühle eines kleines Mädchens. Start: 1. Oktober.



9) "James Bond 007 – Spectre" von Sam Mendes mit Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Monica Bellucci und Ralph Fiennes.
Christoph Waltz als Bond-Bösewicht. Start: 5. November.

10) "Iris" von Albert Maysles mit Iris Apfel.
Vor ein paar Tagen hier gelesen, dass es eine Dokumentation über Iris Apfel gibt. Wie toll.



Kommt gut ins Wochenende.

FRAGEN # 27 – # 34


Ein paar Fragen. Von ihm dieses Mal. Und meine Antworten.

# 27. Würdest du dich lieber finden oder verlieren?
Da ich das Gefühl habe, dass in meinem Leben gerade alles in Ordnung und da ist, wo es hingehört, und ich mich manchmal schwer damit tue, locker- und loszulassen: verlieren.

# 28. Wovon solltest du Ahnung haben, was hindert dich daran?
Ich würde gerne die eine Sprache heben, die irgendwo in meinem Gehirn versunken ist: Französisch. Konnte ich mal ganz gut. Daran hindert mich vor allem die ewig mangelnde Zeit. Und meine Faulheit. Ich würde auch gerne mein Geschichtswissen erweitern. Gleicher Grund. Worüber ich gerade nachdenke: Ballett. Das ist nichts, von dem ich eine Ahnung haben sollte, es fasziniert mich nur einfach. Und ich würde es gerne mal probieren. Mich hindert eigentlich nur, dass ich mir mich nicht unbedingt dabei vorstellen kann. Ich bin ungelenkig und untrainiert, aber vielleicht sind das gute Gründe, es doch mal zu probieren... (Hat jemand hier zufällig Erfahrung mit einem Spät-Ballett-Start?)

# 29. Was macht dich müde?
Zu viel Arbeit. Sorgen. Unsinnige Diskussionen über Blödsinn aller Art. Die Rückkehr zu Gedanken, die schon mal gedacht und geklärt wurden. Straßenbahnfahrten. So richtig viel rumrennen, das mag ich sehr. Und: Das warme, schlafende Kind im Arm, da könnte ich sofort auch einschlafen, die schönste Müdigkeit überhaupt.

# 30. Welcher Feiertag müsste dringend erfunden werden?
Der Feiertag des warmen Bettes. Man verbringt ihn natürlich im warmen Bett.

# 31. Kannst du deine Nase mit deiner Zunge erreichen?
Nee.

# 32. Hast du es gerade versucht oder wusstest du es auch so?
Natürlich hab ich´s versucht.

# 33. Schläfst du lieber ein oder wachst du lieber auf?
Ich schlafe viel lieber ein. Ich mag die Nacht und ihre Ruhe, noch zu lesen oder einen Film zu gucken, bis ich fast einschlafe, die Decke bis zur Nase gezogen. Das Aufwachen ist meistens ziemlich ruppig, weil der Wecker klingelt oder Fanny auf mich springt und sofort und superjetzt Hund spielen will.

# 34. Liebst du jemanden?
Sehr.

Eine gute Woche euch.
PS: Was für ein schönes Lied.

FEBRUAR 2015


Puzzles gelegt, Pfannkuchen gemacht, mit dem Laufrad um den Pudding geflitzt bis uns zu kalt war, essen gegangen und ein tolles Restaurant entdeckt, Fasching mit der Tanzkatze gefeiert, von der ich gar nicht wusste, dass es sie gibt, aber natürlich gibt es Tanzkatzen, wie es Einhörner gibt, Grapefruits im Ofen mit braunem Zucker gebacken, es schmeckte nicht ganz so wie in New York, aber sehr gut, nach Ferien, mir die Haare wieder kurz geschnitten, Pläne für das Jahr geschmiedet, im Sommer geht es nach Amsterdam, und ich freue mich so darauf, aus einem ersten einen zweiten Eindruck zu machen, das Riesenchaos in der Wohnung zu einem bewohnbaren aufgeräumt, und das Rumoren in mir mal so weit entknäuelt, dass ich jetzt weiß, was da eigentlich rumort. Ziemlich gut für einen Februar, finde ich.

Gegessen
Einen gigantisch guten Burger mit Süßkartoffelfritten im Muse – ein sehr schöner Laden mit tollem Service. Und immer wieder Pancakes (dieses Jamie-Oliver-Rezept ist so einfach und so gut).

Gehört
"Black Messiah" von D’Angelo. Adele (diesen Song und diesen). Und "One With the Freaks" von The Notwist.



Geschrieben
Einen Geburtstagswunschzettel. Diese Ausstellung würde ich mir so gerne ansehen. Diese Kette würde ich gerne tragen. Und dieses Kochbuch gerne lesen.

Geguckt
Den Trailer von "Verstehen Sie die Béliers?" – vorgemerkt fürs Kino. Den Trailer von "Into the Sea" (hier kann man ihn sich ganz ansehen, werde ich sicher noch machen). Und endlich "Im Angesicht des Verbrechens".

Gelesen und geklickt
* Ein paar Blogs, die ich mag: Design for Mankind, Julia Sang Nguyen und Hey Natalie Jean.
* 21 Surprising Parenting Tips.
* Die Drehtiere von Claus Ast. Oh, das Schweinhorn.
* The Rescued Film Project. Unglaubliche Geschichte.
* "How to Make the Best Pizza at Home" und "How to Make a Better Homemade Pizza".
* Being happy alone.
* What It´s Like to See 100 Million Colors.
* Marlenes Lieblingsorte in Berlin.
* 20 Small Things to Appreciate.
* Caramel Pecan Banana Puffed Pancake. Boa.
* Den Saisonkalender von Greenpeace, gestaltet von Kathrin Koschitzki.
* The mysterious (and cool) science of icicles.
* The Himalayas from 20.000 ft. Wie beeindruckend.
* Für alle Wiener: am 13. und 14. März gibt´s den ersten Pop-up-Markt rund ums Thema Kind. Hier gibt´s Informationen zum "Mini Markt Vienna".
* Und zum Schluss noch der Hinweis auf den Myself Supper Club. Gute Sache.

Hoffe, euer Februar war auch eher heiter als wolkig.

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